Meine Weltreise

Should I stay or should I go?

28. August 2019

Viele Menschen träumen ihr Leben lang von einer Weltreise. Von der Freiheit, die Welt mit anderen Augen zu sehen, fremde Kulturen und Menschen kennenzulernen und sich einfach an das nächste Ziel treiben zu lassen.

Zu diesen Menschen gehöre ich eigentlich nicht.

Der Traum vom Reisen

Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Reisen. Schon als Kinder sind meine Schwester und ich mit unseren Eltern gern und häufig verreist, auch wenn die Dankbarkeit für solche Reisen zu diesem Zeitpunkt eher beschränkt war. Was interessieren mich die landschaftlichen Besonderheiten Kaliforniens, wenn die Sonne sich leider im Gameboy Display spiegelte?

Die besagte Fahrt durch Kalifornien habe ich übrigens Jahre später mit einer Freundin noch einmal nachgeholt und es stellte sich heraus, dass die Strecke tatsächlich atemberaubend schön ist…

Auch anschließend habe ich jede Chance genutzt, um andere Länder zu erkunden, habe an Austauschprogrammen teilgenommen, bin nach dem Abitur sechs Monate durch Australien gegondelt und habe spannende Urlaubsreisen unternommen.

Der Traum von der Karriere

Während meines Jurastudiums wurden die Reisen aufgrund akuter Geld- und Zeitnot seltener, was mich aber nicht davon abhielt von den exotischsten Reisezielen zu träumen. Nach dem ersten Staatsexamen in Münster (schöne Stadt, auch eine Reise wert) habe ich daher der guten Ordnung halber noch einen Master Abschluss an der La Trobe University in Melbourne angehängt. Auch wenn dieser Aufenthalt aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlages stark getrübt war, so hatte ich noch einmal die Gelegenheit die andere Seite der Welt zu erkunden, bevor das Referendariat in Niedersachsen begann. Dieses verging wie im Flug und schon stand ich vor der Entscheidung, wie mein Berufseinstieg aussehen sollte. Ich hatte beschlossen, in Hamburg zu bleiben und da die Noten passten, brauchte ich nicht allzu viele Anläufe um ein Jobangebot in einer anerkannten internationalen Wirtschaftskanzlei zu bekommen.

„Höchstens zwei Jahre werde ich da bleiben“ tönte ich groß, als ich mit meiner Familie auf den unterschriebenen Arbeitsvertrag anstieß. Das ist jetzt fast fünf Jahre her. Ich arbeite im Bereich Mergers and Acqusitions (kurz M&A) und berate Mandanten beim Kauf und Verkauf von Unternehmen. Ich habe lange Arbeitszeiten, Vorgaben für die sog. Billable Hours und ehrlich gesagt unter der Woche wenig Zeit für abendliche Aktivitäten mit Freunden. Das heißt nicht, dass ich den Job nicht gerne mache. Er ist herausfordert, ich habe einen netten Chef, (meist) tolle Kollegen, ein gutes Gehalt und einen hervorragenden Blick über Hamburg aus dem Büro.

Wenn der Urlaub nicht reicht

Jedes Jahr mache ich einen tollen Urlaub mit einer meiner besten Freundinnen. Wir haben Kuba, Australien und die Seychellen erkundet (dazu später mehr) und finden uns jährlich in Dublin zu einem Rugby Spiel im Rahmen der Six Nations ein.

Trotzdem war es nicht mehr genug. Ich bekam Fernweh. Der Gedanke, dass das noch nicht alles gewesen sein kann, schlich sich immer mehr in meinen Kopf und ich fing an von all den Orten zu träumen, die ich noch nicht besuchen konnte und – sollte es so weitergehen – auch nicht besuchen würde. Ich wollte weg. Lange weg. Ich wollte die Welt sehen. Der Traum der Weltreise war geboren.

Der lange Weg zur Welt

Dies alles kam im Rahmen eines Gesprächs mit meinem Chef auf den Tisch, der nur meinte, man habe mir in letzter Zeit ohnehin schon angemerkt, dass etwas nicht stimmte. So begann der lange Weg zur jetzt geplanten Reise.

Kündigen, Arbeitslosigkeit, Auszeit, Sabbatical, langer Urlaub? Ich war überfordert. Ich habe mir viele Listen gemacht, viel nachgedacht, viel geredet und war zum Schluss genauso unschlüssig wie vorher. Nach viel Hin und Her, lauten Worten, Tränen und einem erbitterten Kampf um Urlaubstage, stand irgendwann aber fest, dass ich für 4 Monate eine Auszeit vom Job nehmen kann und werde.

Größtenteils wird diese als unbezahlter Sonderurlaub verbucht, sodass ich während meiner Reise auf Erspartes zurückgreifen werden muss. Ich habe mir natürlich Kostenpläne, Ticketpreise und ein Gesamtbudget berechnet und bin zuversichtlich, dass dieser Weg für mich die richtige Entscheidung war.

Fakt ist: Im Oktober sitze ich im Flieger der mich zunächst nach Namibia bringt. Und von da aus? Mal sehen…

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