Meine Weltreise

Von Walen, Haien und dem Spritverbrauch

20. Oktober 2019

Wie hier bereits ausgeführt, ist die Küste von Hermanus und Umgebung für die vielen Wale bekannt, die sich insbesondere im europäischen Herbst dort tummeln. Der ganze Ort ist auf die Whale Watching Industrie ausgelegt und täglich werden unzählige Touristen mit großen Booten im Kreis geschippert auf der Suche nach den Meeressäugern. Erfolg nicht garantiert.

Paddel Power

Das wollte ich ein bisschen anders machen und buchte eine Kayaktour auf der man sich in zwei Stunden im Zwei-Mann-Kayak auf Walsuche begibt. Während meine Oberarme ein wenig Schiss vor der Tour hatten und ich mich schon kraftlos gen Horizont treiben sah, konnte ich es trotzdem nicht erwarten, bei hoffentlich schönen Wetter durchs Meer zu paddeln und ein bisschen nach Walen, Robben und Delfinen Ausschau zu halten.

Das Wetter war auch schön und die Tour hat auch großen Spaß gemacht. Nur Wale haben wir nicht gesehen. Keinen. Das war dann doch ein wenig enttäuschend. Machte aber nichts, denn das beste kommt bekanntlich zum Schluss.

Ich hatte mich für die Nacht bereits im nächsten Ort die Küste runter eingemietet und war sobald ich dort angekommen war auf eine kleine Wanderung an den Klippen entlang aufgebrochen. Ich hatte den Weg komplett für mich allein und bei einem Blick aufs Wasser tauchten sie plötzlich auf. Zwei gigantische Wale, die fröhlich vor sich hinplätscherten, während ich ganz verzückt die welt-schlechtesten Tieraufnahmen schoss. War mir aber egal. Ich hatte den Beweis, dass die verdammten Wale tatsächlich da waren. Ich war zufrieden.

Haifutter

Am nächsten Tag ging es in aller Herrgottsfrühe weiter. Meine hoffnungsvoll um 9 Uhr angefragte Shark Cage Diving Tour wurde auf 6.30 Uhr verschoben und so kroch ich um 5.30 Uhr aus dem Bett, packte meine Sachen und fuhr zum Hafen von Gansbaai, um mich übermüdet zunächst in einen Wetsuit und dann in einen an das Boot geketteten Käfig stecken zu lassen.

Natürlich ist das nur die Kurzfassung und eigentlich läuft das alles sehr professionell ab. Fakt ist aber, man fährt mit einem Boot raus, es werden Köder ausgeschmissen, man steigt in den Käfig und hofft, dass ein paar Haie auftauchen. Das taten sie auch. Und zwar reichlich. Zwar waren die meisten eine „kleinere“ Gattung, es erschienen aber auch zwei der heißersehnten „Great Whites“ und – um ganz ehrlich zu sein – ein bisschen respekteinflößend ist es schon, wenn so ein Riesenvieh nur Zentimeter vor dem eigenen Gesicht seine Runden dreht. Auf das Video der Tour habe ich trotzdem verzichtet. Nicht zuletzt, da ich auf den Anblick von mir in Neopren ebenfalls gut verzichten kann.

Manchmal muss man tanken

Nach Gansbaai hatte ich einen Stopp in Mossel Bay geplant. Das ist ca. 250 km entfernt, sodass man auf Südafrikanischen Straßen eine recht lange Fahrt vor sich hat. Ich fahre gerne Auto, sodass mich das eigentlich nicht störte. Einzig störte mich, dass ich vergessen hatte zu tanken. Es gibt einige Leute, die ungefähr jetzt anfangen zu lachen. Ja, ich habe nicht rechtzeitig getankt. Das passiert mir nicht. Nie. Das gehört zu meiner Reiseparanoia. Der Tank ist immer ausreichend gefüllt. Nur heute eben nicht.

Zu meiner Entschuldigung – Goliath zeigte noch drei von sechs Strichen der Tankanzeige an, als ich losfuhr. Ich hatte einen Zwischenstopp am Kap Aghulas eingeplant. Das liegt nur 90 km von Gansbaai entfernt und hätte locker zu schaffen sein sollen. War es aber nicht. Ich hatte noch einen kleinen Umweg an die Küste genommen und war auf einer Schotterpiste im nichts gelandet, entschied mich aber, diese bis zur nächste größeren Straße durchzufahren.

Reserve gegen Goliath

Es dauerte nur 10 Minuten, da hatte ich noch zwei Striche. Wenig später ging die Reserve an und der Wagen zeigte an, wie viele Kilometer ich noch fahren konnte. Erst 50, wurde es etwas steiler nur noch 18. Und so schwankte es hin und her, während weit und breit kein Ort oder eine einsame Tankstelle zu entdecken war. Langsam machte sich die Panik breit. Was, wenn ich liegenbleibe? Würde jemand helfen? Ist Südafrika wirklich so gefährlich wie alle sagen? Würde ich es herausfinden? 4 Kilometer vor dem nächsten Ort sprang die Tankanzeige dann ganz um und gab mir zu verstehen, dass ich eine Restreichweite von 0 Kilometern hatte. Aber Goliath hielt durch. Mit Glück und ordentlich Rückenwind rollten wir in Bredasdorp und der rettenden BP Tankstelle ein. Der Tankwart lachte und hielt mich für verrückt. Ich mich selber auch ein bisschen.

Aber eine Tankfüllung und 200 Kilometer später sitze ich sicher und trocken in Mossel Bay und weiß schon jetzt, dass ich morgen tanken werde. Voll. Ganz voll.

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